Hanning Voigts

Journalist und Autor.

24. Oktober 2016
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Ich mach mal was anderes.

„Meine Firma, also Generaldirektor Blume und ich, äh, haben uns, äh… sind sich, sind äh, übereingekommen, dass ich, äh, meine Arbeitskraft künftig weniger – also eher gar nicht –, auf die Firma konzentriere und dafür meine Erfahrungen mehr meinem… meinem Heim, und dem Wohl, also dem Wohl meiner Familie, äh, widme, widmen, zu widmen. Nun esst, damit es nicht kalt wird.“
„Was sagst du da!?“
„Es ist eine neue, mehr ins Private zielende Tätigkeit.“
„Was heißt denn das!?“
(Loriot, Pappa ante Portas)

Seit 2010 habe ich einen Großteil meiner Zeit und Kraft in den Journalismus gesteckt, erst bei Hinz&Kunzt und dann bei der Frankfurter Rundschau. Es war ereignisreich, es war anstrengend, es war lehrreich, es war großartig. Und es war wunderschön, dass ich für meine Arbeit so viel Kritik, aber auch so viele positive Rückmeldungen und Zuspruch erhalten habe. Doch ab sofort dürfte es hier, in der Rundschau und auch auf meinem Twitter-Kanal etwas ruhiger werden, denn ich gehe für ein Jahr in Elternzeit. Je nachdem, wie dieses Vollzeit-Praktikum in der Sorgearbeit so läuft, könnte es trotzdem ab und an etwas von mir zu lesen geben. Wir werden sehen.

Vielen Dank, stay tuned und bis bald!

25. März 2016
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Von NPD-Kadern und Flüchtlingen

Wie eine kleine Meldung aus Hessen einmal um die Welt ging.
(am Ende dieses Textes findet sich ein Update vom 2. April 2016)

Büroalltag. Es ist Montag, später Nachmittag, die Zeitung für den nächsten Tag ist im Großen und Ganzen fertig. Die Hektik, die meist am frühen Nachmittag herrscht, ist vorbei. Und dann passiert etwas, was alle Journalist_innen kennen: Sie bekommen überraschend einen Hinweis. Meist sind es Leser_innen, Kolleg_innen oder regelmäßige Informant_innen, ab und an aber auch Fremde, die mit einem Informationsbrocken um die Ecke kommen: „Hör mal, ich hab da vielleicht eine Geschichte. Interessiert euch das?“ Regelmäßig gehe ich solchen Hinweisen nach, recherchiere ihnen hinterher, regelmäßig kommt nichts dabei heraus. Manchmal lässt sich eine Geschichte partout nicht erhärten. Oder an den Vorwürfen, die irgendwer erhebt, ist bei Lichte betrachtet gar nichts dran. Unter Kolleg_innen wird dann gescherzt, man habe die Geschichte „totrecherchiert“. Manchmal werden aus unscheinbaren, schrägen Hinweisen aber auch die besten Texte. Weiterlesen →

12. Dezember 2015
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Mich kann man buchen!

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu. Wenn ich so zurückschaue, war ich in diesem Jahr ganz schön viel unterwegs. Wie schon 2014 hatte ich das große Glück, immer wieder eingeladen zu werden, um eine Veranstaltung zu moderieren, einen kleinen Vortrag zu halten oder an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich durfte unter anderem mit Offenbacher Schüler_innen über Grundrechte streiten, mit jungen Kolleg_innen über Haltung und Neutralität im Journalismus diskutieren und im Freiburger Theater etwas über den NSU-Komplex in Hessen erzählen. Was ich neben meiner normalen Arbeit alles so getrieben habe, kann man hier nachlesen.
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29. November 2015
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Rappen gegen Kaltland

Zeiten großer Konflikte sind Zeiten großer Songs. Oder, genauer: Wenn gesellschaftliche Probleme sich zuspitzen und sie selbst im Alltagsleben der Menschen nicht mehr zu übersehen sind, dann gibt es reichlich Material für Widerspruch und Kunst. Spätestens im Laufe dieses Jahres, unter dem Schlagwort einer „Flüchtlingskrise“, ist auch im allgemeinen Bewusstsein angekommen, dass die deutsche Gesellschaft in der Krise steckt. Selbstverständlich hat die steigende Zahl von Geflüchteten diese nicht ausgelöst, vielmehr überlagern sich schon seit einigen Jahren in ganz Europa eine Reihe ökonomischer und sozialer Phänomene: Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise von 2007/2008 ist nicht gelöst, das Wanken des Euros und das sich anschließende Staatsschuldenproblem hat zu massiven politischen und sozialen Verwerfungen in der EU geführt, die instabile Lage nicht nur im Nahen Osten zeigt, dass von einem „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) und einem historischen Trend zu stabilen, liberal-kapitalistischen Gesellschaften keine Rede sein kann. Kurz gesagt: Die Krisenhaftigkeit der Moderne tritt derzeit so machtvoll auf den Plan wie seit 1989/90 nicht mehr.
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23. Juni 2015
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Nicht lustig.

Am vergangenen Samstag hat ein neuer Pegida-Ableger namens „Widerstand Ost West“ in Frankfurt demonstriert. Statt erwarteter 1000 Teilnehmer_innen sind nur knapp 200 Islamfeinde, rechte Hooligans und Neonazis dem großspurigen Aufruf von Ester Seitz, Uwe Mindrup und den anderen Organisator_innen gefolgt, „alle deutschen Patrioten auf einer Demonstration“ zu vereinen und auf dem Roßmarkt ein bisschen „Ahu!“ und „Antifa, Hurensöhne!“ zu brüllen. Weit mehr als 2000 Menschen, von Politiker_innen über Gewerkschafter_innen bis hin zu Antifa-Aktivist_innen, stellten sich dem rechten Mob in den Weg – und am Ende sah dessen Bilanz wirklich mehr als bescheiden aus.

Ich hatte schon relativ früh, nämlich Ende April, von dem geplanten Aufmarsch erfahren und Widerstand Ost West von Anfang an journalistisch begleitet – auch auf Twitter. Viele Leute, die wissen wollten, was sich da in Frankfurt zusammenbraut, sind mir daher gefolgt, gerade in den letzten Tagen vor der Demonstration. Über Twitter habe ich kurz vor dem Demo-Samstag auch über den Fortgang des Rechtsstreits zwischen der Stadt Frankfurt und Widerstand Ost West informiert: Die Stadt hatte versucht, die rechte Kundgebung nach Fechenheim und damit in den Osten der Stadt zu verbannen, die Veranstalter_innen klagten auf eine Kundgebung in der Innenstadt – und bekamen vorm Frankfurter Verwaltungsgericht Recht. Da die Stadt noch in die nächste Instanz vor den Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel (VGH) zog, war am Freitag für alle Beobachter_innen unklar, wo die rechte Demo jetzt eigentlich stattfinden würde. Weiterlesen →

3. Juni 2015
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Medienkompetenz in Zeiten von #Lügenpresse

Zu Beginn gleich eine Binsenweisheit: Journalismus funktioniert anders, seit das (mobile) Internet allgegenwärtig ist. Neue Kanäle sind entstanden, es gibt neue Möglichkeiten, journalistische Inhalte zu präsentieren. Vor allem aber haben Social Media wie Facebook und Twitter die Art und Weise revolutioniert, in der Journalist_innen mit ihrem Publikum interagieren können: Über Kommentare und Tweets erreichen Lob und Kritik jede Redaktion direkt und unmittelbar – und auch die einzelnen Journalist_innen, in Echtzeit auf dem Smartphone in ihrer Hosentasche. Diese neuen Feedback-Möglichkeiten sind grundsätzlich ein großer Gewinn für Medienmenschen. Sie lernen ihr Publikum besser kennen, sie bekommen laufend Hinweise, was ihren Leser_innen wichtig ist, sie werden auf unterbeleuchtete Aspekte ihrer Themen und blinde Flecken im eigenen Denken und Schreiben aufmerksam gemacht. Und das ist für guten Journalismus, der regelmäßig sich selbst und die eigenen Gewohnheiten hinterfragen sollte, keinesfalls entbehrlich: Wie jede Form von sozialem Diskurs ist er auf Reaktionen angewiesen, um funktionieren zu können. Medien brauchen Medienkritik.

Doch interessante neue Sichtweisen, gute Hinweise und bedenkenswerte Kritik sind im journalistischen Social-Media-Alltag leider nicht die Regel. Vielmehr machen die meisten Journalist_innen – ähnlich wie manche politische Aktivist_innen – die unschöne Erfahrung, dass Kanäle wie Twitter und Facebook regelmäßig dazu genutzt werden, sie mit Hass und wüsten Beleidigungen zu überschütten. Mit dem Schlagwort „Lügenpresse“ hat sich seit einiger Zeit sogar ein eigener politischer Kampfbegriff (re)etabliert, der es möglich macht, noch das platteste Ressentiment gegenüber jeder Form von massenmedialer Kommunikation (und gegenüber allen Menschen, die mit und in den Medien ihr Geld verdienen) als scheinbar aufklärerische Haltung zu verkaufen. Weiterlesen →

27. Mai 2015
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Herzlich willkommen!

Ein klitzekleiner Schritt für das Internet, ein großer Sprung für mich: Ich habe endlich eine eigene Website. Hier gibt es ab sofort die Möglichkeit, sich über mich und meine Arbeit zu informieren, ausgewählte Texte von mir zu lesen und Kontakt zu mir aufzunehmen. Außerdem will ich ab und an bloggen, so weit es Zeit und Energie zulassen. Da ich mich als Journalist und politisch denkender Mensch mit vielen Dingen beschäftige – mit sozialen Bewegungen, Demonstrationen und Innenpolitik ebenso wie mit Neonazis und Geschichtspolitik – ist noch nicht ganz absehbar, über was genau ich hier schreiben werde. Es könnte eine ziemlich wilde Mischung werden. In jedem Fall dürfte es sich lohnen, immer mal wieder vorbeizuschauen.
Weil ich auf Rückmeldungen, Kritik und Debatte großen Wert lege, werden die Einträge auf dieser Seite grundsätzlich kommentierbar sein. Da wir aber in Zeiten von Pegida, Hatern und „Lügenpresse!“-Schreiern leben, weise ich zur Sicherheit schon mal darauf hin, dass ich Beleidigungen, Bedrohungen und andere unfeine Verhaltensweisen nicht dulden werde. Jetzt aber erstmal: Herzlich willkommen auf meiner Seite, hereinspaziert und viel Spaß beim Umsehen! Wer mich kontaktieren will, kann das per Mail oder auf Twitter tun.